Von Wolfgang H. Allehoff und Wolfgang Baumbast
Unsere Antwort ist: JA.
Allerdings ist laut Finanzaufsicht Bafin die altersabhängige Tarifierung gesetzeskonform. Das geht aus einer Bafin-Untersuchung aus dem Jahr 2020 hervor. Doch vor allem für langjährige unfallfreie Autofahrer gilt: Obacht! Wer regelmäßig in höhere SF-Klassen steigt, merkt vielleicht gar nicht, dass der Grundbeitrag wegen des Alters steigt.
Mit großem Erstaunen haben die beiden Autoren festgestellt, dass trotz jahrzehntelangem unfallfreiem Fahren die Kfz-Versicherung auf einmal drastisch gestiegen ist. Im Falle Allehoff im urbanen Stuttgart um 20%, im Falle Baumbast im ländlichen Ehingen um 25%.
Wie kamen diese Zahlen zustande?
Ab wann muss man als Senior mehr für die Autoversicherung bezahlen?
Der Versicherungsverband GDV hat eine Statistik erstellt, nach der Personen ab 55 Jahren keinen hohen Altersrabatt mehr auf den Kfz-Versicherungsbeitrag erhalten. Oft wird im Vergleich zum Vorjahr die Versicherung daher plötzlich teurer. Und mit 65 Jahren kann die Autoversicherung deutlich kostspieliger sein
Der GDV empfiehlt Altersaufschläge ab 68 Jahren, und 75-Jährige zahlen im Schnitt 48 Prozent mehr als 55-Jährige. Wie sieht diese GDV-Grafik aus?nd.
Erwartete Schadenaufwendungen nach Alter in der Kfz-Haftpflicht
- Versicherungsbeitrag in Prozent
Quelle: Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft GDV (Stand: Januar 2026)
Nun könnte man denken, Ältere zahlten weniger für ihre Autoversicherung, weil Fahrerfahrung spiegelt sich in der Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) wider: Man steigt in der Versicherung mit jedem unfallfrei gefahrenen Jahr eine Klasse auf. Und erhält entsprechend mehr Rabatt auf den Kfz-Versicherungsbeitrag.
Aber weshalb verlangen Versicherer höhere Beiträge von Senioren?
Die Versicherer begründen höhere Beiträge für ältere Fahrer mit einem statistisch höheren Schadenrisiko. Nach Berechnungen des GDV verursachen über 80-Jährige im Durchschnitt rund 50 Prozent höhere Kosten als ein durchschnittlicher Fahrer. Entsprechend sehen viele Tarife Alterszuschläge vor.
Gleichzeitig zeigen die Daten, dass die Schadenshäufigkeit erst ab etwa 75 Jahren deutlich steigt. Dennoch setzen viele Versicherer Zuschläge bereits früher an. Grundsätzlich gelten sowohl junge als auch ältere Fahrer häufiger als Hauptverursacher von Unfällen als Fahrer mittleren Alters.
- So häufig ist die Person Hauptverursacher eines Unfalls
Quelle: Berechnungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft GDV, Zahlenreihe 46241-0011 des Statistischen Bundesamts (Stand: Januar 2026)
Wie ermittelt der GDV für die Kfz-Versicherung das Unfallrisiko nach Alter?
Der GDV wertet aus, wie oft Fahrer einzelner Altersgruppen an Unfällen beteiligt sind und wie häufig sie als Hauptverursacher gelten. Berücksichtigt werden dabei ausschließlich Unfälle mit Personenschaden, da diese zuverlässiger polizeilich erfasst werden als reine Sachschäden.
- Diese Methode liefert zwar belastbare Trends, bildet das tatsächliche Unfallgeschehen jedoch nur eingeschränkt – wenn nicht sogar gar nicht ab, da leichtere, nicht gemeldete Unfälle fehlen.
- Auch insgesamt lässt sich statistisch nur schwer eindeutig bestimmen, welche Altersgruppen besonders häufig „schuld“ an Unfällen sind.
Wie sollten Senioren Alterszuschläge in der Kfz-Versicherung einordnen?
Für Ältere heißt das: Höhere Beiträge sind nicht automatisch. Alterszuschläge beruhen auf Durchschnittswerten und sagen wenig über das individuelle Fahrverhalten aus. Zudem steigt das Unfallrisiko laut GDV erst im höheren Alter deutlich.
- Entscheidend bleibt, dass das Alter nur ein Tarifmerkmal unter vielen
- Eine hohe Schadenfreiheitsklasse, geringe Fahrleistung oder ein Anbieterwechsel können Alterszuschläge teilweise oder ganz ausgleichen.
Was können Senioren gegen Alterszuschläge in der Kfz-Versicherung unternehmen?
Wir müssen Alterszuschläge zunächst überhaupt erkennen. Und dann einen Tarif finden, der mit geringeren oder ohne Zuschläge auskommt. Das geht durch einen Tarif-Vergleich auf einem Vergleichsportal. Hierbei empfiehlt es sich, in der Kfz-Versicherung den doppelten Vergleich: zunächst bei Verivox oder Check24 Angebote einholen. Dann den Gegencheck beim Online-Versicherer Huk24 machen.
Untersuchungen zeigen, dass Altersaufschläge je nach Versicherer deutlich variieren können.
Kein Autoversicherer muss sich nach diesem Vorschlag des Verbands richten. Alle Senioren sollten daher regelmäßig, am besten jährlich, den Preis für ihre Kfz-Versicherung prüfen.
Eine unabhängige Studie fasst zwei wichtige Ergebnisse zu Altersaufschlägen bei Kfz-Versicherungen zusammen:
- Schon 65-jährige Fahrer zahlen im Schnitt acht Prozent mehr als 55-jährige. Und einen 75-Jährigen kostet seine Kfz-Versicherung im Schnitt 48 Prozent mehr als einen Mittfünfziger.
- Die Studie zeigt zudem, dass lange nicht alle Versicherer gleich hohe Aufschläge verlangen. Die Höhe der Altersaufschläge unterscheidet sich vielmehr von Versicherer zu Versicherer deutlich. Eine jährliche Prüfung der Kfz-Versicherung kann viel Geld sparen. Es gilt, so einen Versicherer ohne hohe Altersaufschläge zu finden.
Tipp:
- Spätestens ab dem 60. Geburtstag jährlich die Autoversicherung prüfen und analysieren.
- Ein doppelter Vergleich lohnt sich.
- Also erst zu Verivox oder Check24, dann der Gegencheck bei der Huk24.
- Und bei Bedarf Kilometerleistung und Fahrerkreis anpassen.
- Angestellte im öffentlichen Dienst erhalten von einigen Versicherern besondere Konditionen – eine Prüfung lohnt sich.
Fazit:
Aus unserer Sicht wird hier mit zweierlei Maß gemessen. Auf der einen Seite unfallfreies Fahren über Jahrzehnte und auf der anderen eine fragwürdige Statistik über alle Senioren – ob unfallfrei oder nicht. Diese Praxis ist genau das, als was wir sie bezeichnen. Es ist ein unverhohlener Akt der Diskriminierung. Als Senioren fühlen wir uns massiv diskriminiert und sind deshalb aus gutem Grund empört. Diese Praxis reiht sich nahtlos ein in die Liste der Altersdiskriminierungen:
- Bewerberinnen oder Bewerber über 50 werden gar nicht erst eingeladen.
- Ältere Beschäftigte werden bei Fortbildungen übergangen.
- Eine Beförderung oder Einstellung scheitert daran, dass jemand als „zu alt“ gilt.
- Im Alltag werden ältere Menschen nicht ernst genommen oder pauschal als weniger leistungsfähig, vergesslich oder nicht mehr lernfähig behandelt.
- Bei Gesundheitsleistungen werden ältere Menschen schlechter behandelt oder bestimmte Behandlungen werden ihnen wegen des Alters verweigert.
- Bei Krediten oder anderen Alltagsgeschäften führen Altersgrenzen zu ungerechtfertigten Nachteilen.
Dr. Wolfgang Allehoff
Wolfgang Baumbast